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                                    132 PCLife 02 | 2025Finest-onTour | GourmetNur Eingeweihte wissen um die meist unscheinbare Pforte zum Weinparadies. Das Erkennungszeichen: Pflanzenschmuck. Ein Kranz aus Reben oder Efeu, ein B%u00fcschel F%u00f6hrenzweige, ein sogenannter F%u00f6hrenbuschen oder auch ein Reisigbesen %u00fcber der Eingangst%u00fcre weisen den Weg: Hier geht's zum Weinausschank, je nach Region %u201eKranz-\schenschenke%u201c oder %u201eHeuriger%u201c genannt.Auf dem eigenen Hof, wo der Winzer seine selbst gekelterten Tropfen ausschenken darf, ist es oft am gem%u00fctlichsten. An sch%u00f6nen Tagen sitzt man in mit Efeu bewachsenen Innenh%u00f6fen unter lauschigen Lauben, bei schlechtem Wetter sorgen eine umgebaute Scheune, ein Weinprobierraum oder ein stillgelegter Weinkeller f%u00fcr weinselige Atmosph%u00e4re. Wenn ein Einheimischer verr%u00e4t %u201eBeim Winzer xy ist wieder ausg%u2019steckt%u201c, denken Kundige nicht an einen Stromausfall, sondern an die %u00d6ffnung einer Weinwirtschaft. Und wenn ein Weinseliger zum %u201eLaterndln%u201c verf%u00fchren will, schl%u00e4gt er lediglich vor, gemeinsam das eine oder andere Viertel jungen Wein zu verkosten. Der Ausdruck kommt daher, dass viele Buschen mit einer Laterne beleuchtet sind; wer erst beim Schlie%u00dfen des Ausschanks heimging, wenn die Laterne gel%u00f6scht wurde, wurde fr%u00fcher spa%u00dfeshalber %u201eLaterndler%u201c genannt. %u00dcbrigens: Beim sogenannten Rauschbaum handelt es sich um eine zentrale Stelle im Weinort, an dem eine Tafel mit den %u00d6ffnungszeiten der jeweiligen Heurigen Prosit beim Laterndln!Im Sp%u00e4tsommer drau%u00dfen sitzen, einen jungen Tropfen genie%u00dfen, direkt beim Erzeuger. Die Zauberworte hinterm Genuss: Buschenschenke, Strau%u00dfen-, Hecken oder Besenwirtschaft.TEXT: Marion Vorbeck | BILDER: Frank Gindlerdem Trinkwilligen den Weg zu Weinfreuden weist. Gr%u00f6%u00dfere Orte oder Weinregionen halten Kalender mit den Adressen und %u00d6ffnungszeiten der Sch%u00e4nken vorr%u00e4tig und stellen die Termine ins Netz.Die deutsche VarianteHierzulande kommt ebenfalls Deftig-Einheimisches auf den Teller der Strau%u00dfenwirtschaften: Pf%u00e4lzer Saumagen, Wurstsalat, Schlachtplatte, in W%u00fcrttemberg Maultaschen, in Rheinland-Pfalz Rippchen mit Sauerkraut. Auch die Zahl der Sitzpl%u00e4tze ist geregelt. H%u00f6chstens 40 d%u00fcrfen es sein %u2013 aber wer z%u00e4hlt schon ganz genau, wenn es mal etwas enger zugeht? Nur auf den ersten Blick ein wenig verwirrend: Weinsch%u00e4nken Auflagen f%u00fcr Heckenwirtschaften z.B. in Franken%u2013 maximal an vier Monaten im Jahr ge%u00f6ffnet%u2013 bis zu 40 Sitzpl%u00e4tze%u2013 Ausschank nur von eigenen, aktuellen Weinen%u2013 nur einfache Speisen aus regionalen Zutaten%u2013 eine angemessene Glaskultur muss beachtet werden%u2013 das Servicepersonal muss Fragen zum Wein beantworten k%u00f6nnen %u2013 keine internationalen Begriffe d%u00fcrfen auf die Speisekarte
                                
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