Auf den Spuren der französischen Renaissance
Bei herbstlichem, kaltem aber wunderschönem Wetter fuhr eine Gruppe
von Mitgliedern und Freunden des Porsche-Club Kirchen-Hausen von Radolfzell
aus mit einem komfortablen Reisebus Richtung Tours. In Kirchen-Hausen,
dem Gründungsort unse-res Clubs, und beim Porsche-Zentrum Freiburg
wurden weitere Mitfahrer aufgenommen. Die Stimmung während der
Busfahrt war ausgezeichnet, mitgebrachte "Flüssigkeiten"
förderten die Gespräche. Die Erwartungen in die von unserem
Vize-Präsidenten H.-D. Wessel vorzüglich geplante und organisierte
Reise zu den Schlössern des Loire-Tals waren entsprechend hoch.
Ausgangsort für die Schlösserbesuche war das zentralgelegene
Hotel De L'Universe in Tours, wo wir am Ankunftsabend mit einem gemeinsamen
Menü den langen Tag beendeten. Am nächsten Morgen ging es
früh um acht Uhr auf Besichtigungstour. Unsere gut gelaunte und
kompetente Reiseführerin deutscher Geburt, die seit mehr als 20
Jahre in Frankreich lebt, begleitete uns ab dieser frühen Morgenstunde.
Zwei Tage erhielten wir interessante und umfassende Informationen über
die Schlösser des Loire-Tals, über die Menschen, Landschaften
und die Struktur. Natürlich gehören zur His-torie der Schlösser
die damals dort lebenden Persönlichkeiten mit ihren Machtstruk-turen
und ihren Beziehungen untereinander, gespickt mit Dramen und Komödien,
die uns nicht vorenthalten wurden. Es war schon bemerkenswert und diszipliniert
für unsere Mitglieder stundenlang kei-ne Gespräche über
ihr geliebtes Auto und die Motorsporterlebnisse zu führen, doch
wurde uns dies auch erleichtert durch eine abwechslungsreiche Führung.
Auf eine Beschreibung und die gewonnenen Eindrücke der insgesamt
sechs besichtigten Schlösser Chenonceau, Chateau Royal D'Amboise,
Chambord, die Gärten von Villandry, Chateau de Langeais und Azay-le-Rideau
wird verzichtet. Es gibt ausführli-che Literatur und Beschreibungen
über die in dieser Epoche des 16. und 17. Jahr-hunderts wirkenden
Persönlichkeiten wie Franz I, seine Gemahlin Katherine Bricon-net,
Heinrich II, Chaterine de Mèdicis, Jean le Breton, um nur einige
Könige, Aristo-kraten und Persönlichkeiten zu nennen. In den
Informationen der Reiseführerin tauchten diese immer wieder auf,
gleichsam als "roter Faden" für uns, denen schon am ersten,
aber erst recht am zweiten Tag der Kopf schwirrte.
Zum Abschluss des ersten Besichtigungstages erfolgte ein Rundgang durch
die wunderschöne Altstadt von Tours. In kleinen Gruppen machten
wir uns auf die Suche nach originellen Restaurants, in denen wir bei
sehr guten regionalen Speisen und Weinen den Abend entspannt und bei
fröhlicher Laune ausklingen ließen.
Der Abend vor der Heimreise wurde ein wenig "überschattet"
von den Ergebnissen der Bundestagswahl, die je nach Temperament und
persönlicher Betroffenheit unserer Reiseteilnehmer heftiger oder
abgeklärter kommentiert wurden. Nachträglich betrachtet war
dies der einzige Wermutstropfen der Reiseveranstaltung. Aber wer konnte
bei der Planung den Bundestagswahltermin erahnen. Das vorzügliche
fünfgängige Abendmenü, ergänzt mit guten Weinen,
ließen Aufregung und Enttäuschung vergessen.
Viel Historisches, was uns geboten wurde, wird in Vergessenheit geraten,
wenn man sich nicht selbst nachträglich mit der Geschichte der
Schlösser befasst, eventuell begleitet mit einem weiteren Besuch.
Eine schöne Erfahrung wird zumindest beim Berichterstatter lebendig
bleiben. In großer Zahl und mit viel Interesse gehen unsere französischen
Nachbarn in ihre historischen Schlösser, auch schon im Kinder-
und Jugendalter. Wir konnten beobachten wie die Älteren ihren jüngeren
Geschwistern aus den Informationsunterlagen vorlasen und geduldig Fragen
beantworteten.
Oder wie Geschichtenerzähler in Gewändern der Zeitepoche das
junge Publikum mit ausdrucksstarken Auftritten und Gesten für die
Landesgeschichte begeisterten.
Stellen sie sich vor, ein als Ferdinand Porsche verkleideter, technikbegabter
Schauspieler bringt uns dessen Erfindungen im historischen Museum von
Gmünd näher - was für ein Erlebnis! Somit wären
wir Loirefahrer wieder auf dem Boden unseres gemeinsamen Hobbies - das
Porschefahren - angelangt.
Dr. Michael Niemeyer